Kategorie: Italien

  • Vom Frühling im Süden zum Mittsommer im Norden Europas

    Ich hätte gerne erst über die Zeit geschrieben, die wir in der Toskana, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen und Litauen verbracht haben. Leider schaffe ich es immer noch nicht, am Ende eines Tages mehr als ein paar Stichwörter zu dem zu notieren, was wir gesehen, gehört oder anders erfahren haben. Viel lieber als selbst Geschichten zu schreiben, recherchiere ich die zu den Orten, an denen wir uns aufhalten – ihre Entstehung, ihre Entwicklungsgeschichte, an der andere mitgewirkt haben und so zu dem gemacht hat, was wir heute dort erleben können. Es gibt schon so unglaublich viel zu lesen … deshalb vorerst – obwohl ich mir fest vorgenommen habe, die Lücken unserer ganz eigenen Reisegeschichte später noch mit zusammenhängenden Sätzen zu füllen – nur ein paar bildhafte Eindrücke. Viele weitere Fotos aus den verschiedenen Ländern hat Mathias bereits in seinen Natur-Highlights veröffentlicht.

    Oft ziemlich kalte Vorfrühlingstage in der Toskana: die Maremma mit ihrem sumpfigen Küstenland, der Halbinsel um den Monte Argentario und den mittelalterlichen oder verlassenen Tuffsteinstädtchen; das zauberhafte Val d’Orcia und der Colline del Chianti.

    Zwischenstop in der alten Heimat. Wir haben in Maintal-Bischofsheim, unweit unserer alten Heimat, einen Camperhersteller gefunden, dem wir den fachgerechten Einbau einer Diesel-Standheizung zugetraut haben, um unseren Transit winter- bzw. kältetauglicher machen zu lassen. Wenn über mehrere Tage Kälte und kaum Sonne zusammentreffen, stößt unsere solarstrombetriebene Elektrik mit einem Heizöfchen leider schnell an ihre Grenzen. Selbst innerhalb des Polarkreises, wo wir uns gerade befinden und die Sonne 24 Stunden lang nicht vom Himmel verschwindet, sind wir gerade sehr froh darüber, dass wir nicht mehr darüber nachdenken müssen, ob wir kochen und uns innerlich wärmen oder unseren Wohnraum ein bisschen gemütlicher machen wollen. Jedenfalls haben wir im März auch sonst noch ein bisschen an unserem Bus herumgewerkelt, zu unseren Geburtstagen Wunschorte aufgesucht, an denen wir vorher noch nicht waren, und ein paar Tage bei Freunden bzw. mit deren Schafen auf der Weide verbracht.

    In Deutschlands Norden. Weil unser Van in Löningen für Südamerikas eventuell fehlende Straßen optimiert wurde, also neue Stoßdämpfer und ein paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit bekommen hat, haben wir beschlossen, noch weiter an die Nordsee und – um die Änderungen bei der Zulassungsstellen eintragen zu lassen – zurück in den Taunus über die Lüneburger Heide zu fahren.

    Auf nach Osten – zwei Tage und Nächte an einem Waldsee in Tschechien.

    Auf den Spuren von Mathias’ Familiengeschichte (zu der Bratislava gehört): Donauauen, Seen und Berge der Slowakei.

    Auf Abwegen – ungeplante Stunden in Ungarn. Durch eine zunächst erfolglose Suche nach einem geeigneten Stellplatz für die Nacht habe ich beim Recherchieren eine Landesgrenze übersehen… Der Waldspaziergang im Nachbarland zur Slowakei am nächsten Morgen war es wert.

    Vielfältiges Polen: Stadt, Land, Wald, Fluss, Friedhöfe, Wallfahrtsorte, Seen.

    Litauen, zumindest außerhalb der Städte und landwirtschaftlichen Nutzflächen auch ziemlich schön. Leider ist für uns das Baltikum noch mehr von Kriegsszenarien überschattet als es schon unsere Nähe zur Ukraine in den slowakischen Waldkarpaten oder der Osten Polens war. Deshalb haben wir uns entschieden, nur ein paar Tage im Land – am Kaunasser Meer, an einem Waldlehrpfad, im Memeldelta und in der Kurischen Nehrung – zu verbringen.

    Von Klaipeda aus sind wir vor 4 Wochen nach Karlshamn im Süden Schwedens übergesetzt. Nachdem wir uns wenigstens kurz mit Mathias‘ deutschem Freund getroffen hatten, den wir letztes Jahr in seinem schwedischen Zuhause besucht haben, ging es dann möglichst schnell weiter nach Norden. Letztes Jahr haben wir es nicht über die – eher südliche – Mitte des Landes hinaus in den Norden geschafft. Daher wollten wir dieses Jahr unsere Tour oberhalb der großen Seen – Väner und Vättern – fortführen. Allerdings entschleunigt Schweden enorm dadurch, dass es schwer fällt, einfach an den unzähligen schönen Seen vorbeizufahren oder sie nach einer Nacht schon wieder zu verlassen…

    Mittlerweile haben wir es trotzdem bis in den Polarkreis bzw. über die Grenze nach Norwegen, in den Rombaksfjord bei Narvik geschafft!

  • Bella Italia fredda I – Cinque Terre

    Am 27. Februar haben wir uns auf dem schnellsten Weg vom Süden der Provence nach Ligurien/Italien, in die Cinque Terre an der Riviera di Levante begeben. Die Autostrada dei Fiori – die „Autobahn der Blumen“, die sich entlang der Küste kurvenreich windende A10 – ist allerdings eine echte Herausforderung für Körper, Geist und Seele.
    (Wer sich für die einfallsreichen Namen sowie Messdaten zu den Dutzenden Tunneln und Brücken interessiert, die man aus Frankreich kommend von Giraude an passieren muss, kann sich bei Wikipedia einen Eindruck davon verschaffen.)
    Daher haben wir uns entschieden, in der Provinz Savona die Ausfahrt Spotorno – plus ein paar zusätzliche S-Kurven auf uns – zu nehmen, um die winterlich früh beginnende Nacht am Waldrand oberhalb von Vezzi Portio zu verbringen und am nächsten Tag „frisch“ in die Fünf Lande aufzubrechen. Frisch war es dort, in den bewaldeten Bergen, tatsächlich, so dass uns die Aussicht auf sonnigere südlichere Gefilde den Abschied von der schönen Aussicht aus dem Fenster nicht gerade schwer gemacht hat.

    Uns war bereits klar, dass wir mit unserem Bus nicht bis in die bunten Fischerdörfer kommen würden, weil die zentralen Bereiche für Besucher und Besucherinnen gesperrt sind. Daher hatten wir gehofft, an der – steilen… – Küstenstraße SP370 oberhalb derOrtschaften einen Stellplatz ergattern zu können. Allein die Fahrt entlang dieser auch am letzten Februartag vielbesuchten Panoramastrecke war für uns abenteuerlich genug, um anschließend direkt einen der wenigen geöffneten Campingplätze – in Levanto – anzufahren.

    Den Abend und nächsten Tag haben wir vor allem damit verbracht, nicht einfach nur durch kleine Gassen oder über größere Plätze zu schlendern und Treppen hoch und wieder runter zu steigen, sondern dabei auch das pflanzenfressergeeignete kulinarische Angebot entlang des circa 12 Kilometer langen Küstenstreifens zu durchforsten. Ausgerüstet mit der Cinque Terre Card, die es erlaubt, Züge und Busse zu nutzen, haben wir der Reihe nach Riomaggiore, Manarola, Corniglia und Vernazza einen Besuch abgestattet; auf Monterosso al Mare hatten wir dann – nach Sonnenuntergang – keine Lust mehr.

    In Levantos Mezzaluna hatten wir uns auch mit unseren tierproduktfreien Extrawünschen gleich so wohlgefühlt, dass wir uns auch am zweiten Abend wieder dorthin bewegt und eine weitere Pizza nach neapolitanischer Art – mit dem breiten Rand und seinen charakteristischen schwarzen Flecken – haben schmecken lassen.

    Die als Nationalpark geschützte Gegend ist wirklich ein hübsch anzusehendes Stückchen Erde. Ob es auch dauerhaft seinem Erhalt dient, dass es jedes Jahr von Touristen und Touristinnen überflutet wird, die wahrscheinlich viel Geld, aber auch viel Arbeit mit sich bringen und Müll produzieren, wird die Zeit – die ja gerne Veränderungen mit sich bringt – zeigen.