Um all die Orte genauer zu beschreiben, die wir in den Wochen nach unserem Tag in Tanger – mit dem Bus oder auch zu Fuß – angesteuert haben, brächte ich weitere Wochen. Deshalb müssen ein paar Namen, Stichwörter und Fotos genügen, um nachvollziehen zu können, wie wir uns – mal direkter, mal über Umwege, mal an der Küste entlang, mal weiter im Landesinneren, mal über Serpentinen bergauf und wieder bergab, mal über geradere Landstraßen, die uns dafür mit Kreiseln oder Bodenschwellen ausgebremst haben oder auch mal über Autobahnen – langsam zurück nach Frankreich bewegt haben.
Ein Zwischenstop bei unserer Fahrt durch die Sierra Bermeja und die glücklicherweise schneefreie Sierra de las Nieves, mit der wir versucht haben, dem Regen an der Küste zu entgehen: der Puerto de Peñas blancas, Es war eine kalte, aber wundervoll stille Nacht, und fast jeder Ausflug in die Berge lohnt sich ohnehin für uns, weil sich meist eine Möglichkeit findet, unsere Tanks mit frischem Bergquellwasser auffüllen.
Auch am Embalse de Casasola (Almogia) haben wir eine Nacht in himmlischer Ruhe verbracht. Direkt danach haben wir wegen eines Konzertbesuches an einer – glücklicherweise relativ wenig befahrenen – Straße mitten in Malaga geschlafen.
Statt nach dem Konzert weiterzufahren, haben wir uns wegen der angekündigten Unwetter zurück nach Marbeilla begeben und ein paar Tage in Strandnähe – am Playa de la Vibora (Conjunto White Pearl Beach/Elviria) – verbracht, wo wir unter anderem vegane Paella und Sundowner am Meer genießen konnten. Die Verlockung, mich nicht nur unter die Stranddusche, sondern zur vorherigen Abkühlung sogar kurz ins Meer wagen zu können, hat mich dort sogar mal wieder zu morgendlichen Joggingrunde veranlasst.
Órgiva, ein Städchen in den Bergen, das – aus welchem Grund auch immer – viele Kunstschaffende und Hippies anzieht, haben wir nur wegen eines Bioladens zum Einkaufen aufgesucht. Es hat sich dann – mit seinem kleinen Mercado Municipal – für uns als Öko- und unverpackt-Einkaufsparadies erwiesen, so dass es mir, auch wenn es nur zwei Fotos vom Parkplatz gibt, auf dem wir übernachtet haben von bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Am Embalse de los Bermejales haben wir 3 Tage und Nächte die Ruhe der Natur (bei winterlichen Temperaturen…) genossen und auf besseres Wetter gewartet – um Richtung Sierra Nevada, nach Granada zu fahren.
Mathias hatte sich gewünscht, Fotos in der Alhmambra machen zu können, auch wenn Ende Januar wahrscheinlich nicht unbedingt der beste Zeitpunkt ist, um auf über 700 m gemütlich durch eine Stadt zu schlendern und in einem Bus zu übernachten. Daher haben wir auf ein kleines Zeitfenster gewartet, in dem in Granada weder Schnee noch Regen oder Sturm angekündigt war. Wir haben dann beschlossen, erst einmal in die – angeblich – einzige Wüste Europas, bei Tavernas, zu fahren, um wenigstens genug Sonne zum Beheizen unseres Busses während der kalten und oft auch sehr stürmischen Stunden der Tage und Nächte tanken zu können.
Die Sierra Alhamilla, bei Pechina/Almeria, eine beliebte Gegend für Filmdrehs war unser erster Halt.
Offroad ging es dann durch das vertrockneten Flussbett des Rambla de Gérgal nach Santa Fe de Mondújar, wo ein verlassenes Haus zwischen den Hügeln Windschutz bot.
In die Alhambra haben wir es tatsächlich ohne Ticketreservierung an einem Samstagmorgen geschafft. Dafür sind wir allerdings schon kurz vor Sonnenaufgang von unserem Stellplatz die 3 Kilometer bis zum Rand von Granadas Stadtzentrum marschiert, wo wir für die letzten Kilometer den Berg hinauf ein Taxi finden konnten.
Mehr Bilder gibt es wie immer auf Mathias‘ Website.
Nach den wenigen und ziemlich kalten Stunden in der Stadt, mit Blick auf die verschneiten Gipfel der Sierra Nevada, haben wir trotzdem noch ein paar Tage in den Bergen der Provinz Granadas ausgehalten, weil uns unser Taxifahrer zur Alhambra neugierig auf die Gorafe-Wüste, den Grand Canyon Andalusiens und gleichzeitig eine beliebte Offroadstrecke, gemacht hatte. Wenn uns nicht ein eisiger Wind und morgens sogar ein paar Schneeflocken unseren traumhaften Stellplatz – mit Blick auf das 850 Meter hocn gelegene namensgebende Dorf- leicht vermiest hätten, wären wir bestimmt länger als nur für eine Nacht geblieben.
Danach waren wir wieder reif für wärmere Temperaturen und Meer. In der Gegend um Almeria bedeutet das leider auch ein Meer aus Plastikgewächshäusern, wovon allerdings das Cabo de Gata einigermaßen verschont ist. Dort haben wir bei Agua Amarga eine Nacht verbracht, bevor wir weiter der Küste entlang zum Cabo Cope, nach Murcia, gefahren sind, in der Hoffnung, dass sie ihrem Namen alle Ehre macht: die Costa calida.
Wir hatten tatsächlich Glück, und ich habe sogar kurz überlegt, ein Bad im Meer zu nehmen, mich aber dann doch dagegen entschieden. Bevor der nächste Regen angekündigt war, sind wir – mit einem Stop an den Gredas de Bolnuevo, einem als Pilzfelsen bekannten Naturdenkmal, weiter der Küste entlang Richtung Cartagena bzw. Mar Menor gefahren, das ich beim Durchstöbern der Landkarte entdeckt hatte. Der Anblick einer endlosen Reihe von Hochhäusern aus der Ferne hat uns dann allerdings in den Parque Regional Calblanque abdrehen lassen. Weil uns auch dort ein kleiner Spaziergang nicht dazu eingeladen hat, für wenigstens eine Nacht in der Gegend zu bleiben, haben wir uns stattdessen in die Badlands Murcias begeben, nach Gebas und (Los Baños de) Fortuna.
Weil unsere Wasservorräte mal wieder zur Neige gingen und es uns daher weiter in die Berge zog, bot sich – zusammen mit einer günstigen Wettervorhersage – der Penya Negra bei Crevillent, in der Nachbarregion Valencia, als nächster Stop an. Er hat sich für uns – nicht nur, was die Temperatur und Sonnenstunden betraf – als ein neues landschaftliches Highlight herausgestellt und uns außerdem, aufgrund der guten Fernsicht, auf ein kleines Wasservogelparadies aufmerksam gemacht, in dem wir endlich Flamingos aus der Nähe betrachten konnten: den Parque Natural el Hondo (auf Valencianisch Parc Natural de El Fondo).
Aufgrund der – zumindest zeitweise – fast frühsommerlichen Temperaturen haben wir einen neuen Versuch gewagt, uns wieder mehr entlang der Küste zu orientieren – dieses Mal der Costa blanca. Wir waren zwar auf große Hotelanlagen und was sonst so mit Massentourismus verbunden ist gefasst; aber mit einem Little Manhattan oder auch New York des Mittelmeeres genannten Ort hatten wir definitiv nicht gerechnet. Fast hätten wir aufgrund des Schocks, den uns die Skyline Benidorms (das mir aus meiner Kindheit noch in vager Urlaubserinnerung war) versetzt hat, als sie in unser Blickfeld gerückt ist, auf den geplanten Besuch des Biosupermarktes verzichtet. Immerhin kam uns dann hinterher das anvisierte Ondara trotz seines riesigen Einkaufszentrums nicht ganz so großstädtisch vor. Es hat uns sogar mit einem gemütlichen (nur leider nicht sehr windgeschützten) Stellplatz zwischen freilaufenden Schafen, Enten, einem Hund und Pferd beschert sowie ein enorm entspannendes, veganes Mittagsmenü in einem kleinen Hotel für Gesundheitsbewusste.

Früher als gedacht sind wir dann vor angekündigten Stürmen weiter nach Norden und ein Stück weg von der Küste geflüchtet: zum Embassament del Sitjar bzw. el Pla de Culla (nicht weit von Ribesalbes entfernt), wo wir 3 wundervoll ruhige Tage und Nächte am Ufer des Riu Millars verbracht haben. Ich liebe Plätze, an denen ich – zumindest zum Spülen und Waschen – Wasser zur Verfügung habe: Damit gewinnen wir Zeit, bevor wir uns wieder auf die Suche nach Trinkwasser begeben, also aufbrechen müssen.
Weil wir noch ein paar Tage in der Camargue und außerdem die ersten beiden Märzwochen in der Toscana verbringen wollten (bevor dann einige Termine in Deutschland anstehen), stand für uns allerdings ohnehin fest, dass wir auch Plätze wieder verlassen müssen, an denen wir es problemlos noch länger ausgehalten hätten. Ein weiterer war das Ebrodelta, auf das uns – rechtzeitig, bevor wir vielleicht daran vorbeigefahren wären – ein Freund aufmerksam gemacht hatte. Hier haben wir es tatsächlich mal wieder geschafft, noch vor Sonnenaufgang aufzustehen, um zu einem Vogelbeobachtungspunkt zu fahren und Flamingos sowie andere Wasservögel in der Dämmerung beobachten zu können.
Mir war auf der Landkarte die Halbinsel Cap de Creus ins Auge gestochen, das mir umso interessanter erschien, als ich davon gelesen hatte, dass es die Bilder Dalis stark beeinflusst hat (weil er in der Gegend aufgewachsen ist). Vorher haben wir – wieder mal, um wärmere Temperaturen abzupassen bzw. mit der Sonne zu reisen – noch eine Nacht am Platja de Pals bei Eels Arenals de Mar, an der Costa Brava; zwischen Begur und l’Estartit) verbracht. Den Komfort, dort einen um die Jahreszeit kostenlosen Stellplatz mit Strandzugang und offenem Toilettenhäuschen mit fließendem Wasser vorzufinden, hatten wir nicht erwartet. Genauso wenig wie ich, dass ich bei einem Morgenspaziergang auf Strände stoßen würde, deren Dünenvegetation sich gerade wieder regenerieren darf, oder auf eine verlassene Sendestation aus der Zeit des kalten Krieges, mit dem zu seiner Zeit möglicherweise leistungsstärksten Kurzwellensender, Radio Liberty.
Dafür habe ich dann auf den erhofften Besuch des Wochenmarktes in l’Estartit verzichten müssen: wir sind bei einer Runde zu Fuß nur einem im Februar relativ ausgestorben wirkenden Städtchen (mit den vorgelagerten Medas-Inseln und etlichen geschlossenen Geschäften oder Verkausbuden) begegnet. Bevor wir uns dann zur Halbinsel des Cap de Creus begeben haben, haben wir von l’Escala aus noch einen Blick auf die davorliegende Bucht mit dem hübschen Namen Golf de Roses geworfen.

Von der kurven- und höhenreichen Fahrt in Richtung östlichstem Punkt der Iberischen Halbinsel (und somit auch des spanischen Festlandes), die am Ende auch noch recht eng und steinig wurde,wollten wir uns erst einmal zwei Nächte erholen: an dem abgelegenen, aber doch sehr ungeschützten Plätzchen mit Blick auf Cadaqués, an dem wir gelandet waren. Glücklicherweise fielen die angekündigten Stürme so gut wie aus, so dass meine innere Anspannung irgendwann sogar nachließ. Weil wir von dort zu Fuß keine Erkundungstour starten und unseren Bus währenddessen unbeaufsichtigt stehen lassen wollten, sind wir bis Portlligat gefahren. Dessen außerhalb der Saison kostenlose Parkplätze waren rege von Wohnmobilreisenden besucht, unter die wir uns für eine weitere Nacht gemischt haben.
Zum Abschied von Spanien und Catalonien hat uns Mathias – auf der leider erfolglosen Suche nach Quellwasser (in der Gegend um das Conjunto monumental de Sant Pere de Rodes) – noch eine traumhafte Aussicht auf den Naturpark des Cap de Creus und die Costa brava beschert.
Nach dieser vorerst letzten Serpentinenfahrt, auf der es noch steilere Streckenabschnitte gab als Richtung Cadaqués, waren wir – zum harmonischen Ausgleich – mehr als bereit für die flachen Salzseen der Camargue bzw. vorher die Lagunenlandschaft des Étang de Leucate (bei Salses-le-Château). Da wir dort sogar mehr oder weniger in unmittelbarer Nähe zu einigen Flamingos übernachten konnten, habe ich langsam angefangen, mich zu fragen, warum ich in Portugal und Donana noch fast verzweifelt nach ihnen gesucht habe.
































